Stressfaktor Arbeitsweg

Stressfaktor ArbeitswegFahrten zu Hauptverkehrszeiten sind der drittgrößte Stressfaktor für die Menschen in Deutschland – nach Stress im Job und finanziellen Sorgen. Das zeigte eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Frauen sehen das Ganze dabei noch gelassener: Während der Straßenverkehr jeder fünften Frau die Nerven raubt, tritt dies auf mehr als jeden vierten Mann zu. Besonders stark leiden die Menschen in Baden-Württemberg, Sachsen und Sachsen-Anhalt unter dem Chaos auf Straßen und Schienen: Von ihnen klagt mehr als jeder Dritte über Stress im Stau oder Zug. Von den rund 30 Millionen Berufspendlern in Deutschland klagen zwei Drittel über psychische und körperliche Beschwerden. Eine knapp verpasste Bahn oder Staus und Drängler auf der Autobahn lassen den Blutdruck steigen und die Stimmung sinken: „Der britische Forscher David Lewis hat herausgefunden, dass Pendler einen höheren Stresspegel haben als Kampfpiloten im Einsatz“, sagt Inga Margraf, Psychologin bei der TK.

Dabei ist nicht entscheidend, wie lang der Weg ins Büro ist. Ausschlaggebend ist vielmehr die Ohnmacht, einem möglichen Stau ausgeliefert zu sein oder in der „roten Welle“ vor einer Ampel nach der anderen zu stehen. Das empfinden Autofahrer als Tortur. Und wer morgens und abends regelmäßig unter Strom steht, leidet nicht nur psychisch, sondern ist auch körperlich anfälliger. Ob der Rücken von vielen Stunden auf dem Autositz schmerzt oder die Erkältungsviren in Bus und Bahn zu Dauerschnupfen führen – Pendler sind häufiger krank als Kollegen mit kurzem Arbeitsweg. Und nicht nur das: Ihnen fällt es oft auch besonders schwer, zu Hause auf Entspannung umzuschalten.

Die Psychologin rät Pendlern, die Zeit in Bus und Bahn möglichst gezielt für sich zu nutzen. Schon ein paar einfache Tricks können helfen, damit der tägliche Arbeitsweg nicht zur Stressfalle wird. „Ein Spanisch-Kurs zum Mitsprechen oder ein Hörspiel im Auto, ein gutes Buch oder die Tageszeitung in der Bahn verhindern, dass der Frust über verlorene Zeit zu groß wird“, sagt Margraf. Auch Fahrgemeinschaften helfen, Stress zu vermeiden – und schonen zusätzlich das Portemonnaie. Und wenn der Puls hochschnellt, weil der Bus direkt vor der Nase weggefahren ist, oder im Stadtverkehr mal wieder gar nichts geht, rät Margraf, einfach mal tief durchzuatmen: Das versorgt den Körper mit Sauerstoff und beruhigt die Nerven. Aber auch kurze emotionale Ausbrüche sind erlaubt. Die Windschutzscheibe anzuschreien oder mit der Faust auf den Lenker zu schlagen hilft, Dampf abzulassen. Kann man dann im nächsten Moment darüber lachen anstatt lange zu grübeln, baut dies zusätzlich Stress ab, wie Wissenschaftler herausgefunden haben. (Foto: Techniker Krankenkasse/News-Reporter.NET/SV)

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